Helena Dell-Kolaschnik

Seit Jahren beschäftige ich mich mit der sehr lebendigen russischen Designszene. Ich habe persönliche Kontakte zu russischen Designern und Designstudios aufgebaut und Partner in Moskau und St. Petersburg gewonnen. Mit meinem Wissen und meinen Kontakten berate ich Ihr Unternehmen gern beim Einstieg in den russischen Markt. Auf Wunsch steuere ich die Realisation Ihrer Projekte durch russische Designer. Kontaktieren Sie mich: helena.dell@email.de

Proposal

TITEL
Kommunikationsdesign in Russland. Wege und Chancen.

EINLEITUNG
In Deutschland hat sich der Beruf des Kommunikationsdesigners über einen Zeitraum von ca. 90 Jahren sukzessive entwickelt. In Russland hingegen gab es bis in die 1980er so gut wie keine werbliche Kommunikation für Produkte, Dienstleistungen, oder Unternehmen. Der Beruf Kommunikationsdesigner hat sich dort innerhalb der letzen 20 Jahren rasant entwickelt. Russland hatte in diesem Metier Einiges nachzuholen.

Heute hat Russland viele junge Werbe- und Designagenturen, die interessan-
te kreative junge Menschen beschäftigen. Mit 30 Jahren sind diese oft schon Geschäftsführer oder Inhaber einer eigenen Agentur. Sowohl die Kreativen als auch die Kreativbranche sind sehr jung.

Das folgende Diagramm verdeutlicht beispielhaft das Alter der Mitarbeiter einer führenden Moskauer Designagentur.
(Quelle: http://www.artlebedev.ru, Stand: 31.08.2004).

In meiner Masterarbeit möchte ich das rapide Wachstum der Kommunikati-
onsdesign-Branche untersuchen – vor Ort untersuchen. Ich werde junge Kreative aus Russland kontaktieren und interviewen, was für sie persönlich diese schnelle Entwicklung mit sich gebracht hat und welche Entwicklungs-
chancen sie dem Kommunikationsdesign zuordnen.

Dazu möchte ich zwei Städte bereisen und die Arbeit der dortigen Agenturen vergleichen: Moskau und St. Petersburg. Diese Städte sind zwei tradizionelle Rivalen, die unterschiedlicher nicht sein könnten:
_St. Petersburg ist eine von Peter dem Großen künstlich errichtete Stadt, dem Westen zugewandt. Ihre Bürger waren schon immer kunst- und kulturinteressiert.
_Moskau ist mit ihren nun mehr als 10,5 Mio. Einwohnern nach wie vor die Wirtschaftsme­tropole Russlands, die wie zur Zaren-, und zur Sowjet-Zeit nach wie vor auf Macht und Profit fokussiert ist.

ENTSTEHUNG DES THEMAS  / EINFÜHRUNG IN DAS THEMA

Das Thema ist zum Teil aus persönlichen Gründen entstanden. Erstens sind mir russische Kultur und Sparache vertraut, zweitens verfolge ich – trotz 15 Jahren Leben in Deutschland – die Entwicklung in Russland. Aus beruflichen Gründen interessiert mich am meisten das Thema Kommunikationsdesign.

Seit ein paar Jahren beobachte ich die rasante Entwicklung in Russland. Dieses Thema finde ich nach wie vor spannend. Durch die Globalisierung entstehen immer mehr Projekte, die Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland ermöglichen.

Eines der neuesten Projekte ist z.B. der Corporate Font für eine Russische Eisenbahngesellschaft, an deren Entwicklung das Büro HardCase Design beratend und gestaltend im Auftrag von BBDO Branding, Moskau, mitgewirkt hat. Von HardCase Design wurde in den späten 90ern bereits ein typographi-
sches System im Rahmen des preisgekrönten Corporate Design für die Stadt Hannover eingeführt. Bei der Arbeit am RussianRail-Projekt wurde Dmitri Lavrow, Inhaber von HardCase Design, vom Berliner Typographen Ralph du Carrois unterstützt. (Quelle: http://www.ci-portal.de)

An Typografen scheint das Thema Russland – insbesondere die cyrillische Schrift – nicht vorbei zu gehen. Immer mehr Typografen versuchen sich darin. Die neuesten Ergebnisse des Wettbewerbs »Modern Cyrillic 2009« kann man in der letzten Novum-Ausgabe (01/10) bewundern.

Die aktuelle Präsentation des Corporate Designs – insbesondere des Signets – für die Olympischen Winterspiele 2014 in Sochi hatte meine vollste Aufmerksamkeit. Ich konnte die Präsentation des Logos sowie die nach-
vollgende Discussionen beobachten.

»Das Logo kommt nunmehr ohne Bildmarke aus, dafür aber, und das erst-
malig in der Geschichte des IOCs, mit einer Domainkennung. Die Typo ist wuchtig und gepolstert wie ein Eishockeytorhüter. Die Wortmarke sieht tatsächlich ›russisch‹ aus, auch ohne, dass Rot zum Einsatz kommt. Welch ein Kontrast zum Logo der Winterspiele in Nagano! 100% massive in Eis geritzte Typografie. Wären die Olympischen Ringe nicht, könnte man aller-
dings auch den Eindruck gewinnen, hier würde ein Weltjugendtag der christ-
lichen Glaubensgemeinschaft visualisiert, denn in der Mitte ragen zwei Kreuze deutlich sichtbar hervor. Tatsächlich hat man mit dem Logo aber die junge Generation im Visier: ›A brand for the digital generation‹, wie es heißt. Sochi – die neue Spielemesse!« – berichtete Achim Schaffrinna am 02.12.2009 in seinem Designtagebuch (www.designtagebuch.de)

46 Kommentare zu diesem Beitrag teilten im Großen und Ganzen die Meinung des Bloggers. Das »typisch russiche« Logo wurde allerdings mit Interbrand, einer der größten Beratungsagenturen der Welt, und einem vom Sochi 2014-Organisationskomitee gegründeten Rat der Experten entwickelt. Der Expertenrat bestand aus russischen, sowie ausländischen Designern. (Quelle: http://www.ci-portal.de)

Die Russen hingegen haben unter Anderem eine Umfrage gestartet (Quelle: http://dolboeb.livejournal.com/1718765.html), an dieser 4756 Personen teilgenommen haben (Stand 01.01.2010). Aus dieser Umfrage, sowie Kommentaren geht hervor (wenn man ihnen Glauben schenken darf), dass die Russen selbst es als »vehunzt« und »..hat nichts mit Russland zu tun« bezeichnen.

3,3 % der Befragten halten das Logo für genial, 31.6% finden es unmöglich und 35.8% hätten es lieber als Auftrag, an die Agentur Art Lebedev (große Moskauer Agentur) gesehen. Abgesehen davon geht es aus den Kommentaren hervor, dass von Vielen die Zahl 2014 gar nicht als Zahl wahrgenommen wurde, sondern als eine Mischung aus lateinischen und cyrillischen Buchstaben.

PROBLEMATIK / FRAGESTELLUNG

Anhand dieses Beispiels wird klar, dass wir alle unsere visuellen Vorurteile hegen und pflegen. Das »typisch russische« Logo erwies sich als Ergebnis internationaler Arbeit. Darüber hinaus wird klar, dass man ohne kulturelen Hintergrund, sowie Sprachkentnisse nicht einfach etwas für einen fremden Kulturkreis gestalten kann.

Daher lautet eines meiner zentralen Ziele:

_ Optionen für die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland herausarbeiten. Bereits bestehende deutsch-russische Kontakte zwischen den deutschen und russischen Agenturen möchte ich aufspüren und Akteure befragen, wie sie die interkulturelle Zusammenarbeit bewerten.

Davor aber sollten meine Untersuchungen folgende, mir relevante Punkte klären helfen:

_ Kann man in der relativ kurzen Zeit von etwa 20 Jahren einen eigen-
ständigen, hochstehenden Design-Anspruch entwickeln?

_ Bildet das Designverständnis in Russland bereits die gesamte Bandbreite des Designs ab?

_ Das Designverständnis welchen Landes dient russischen Designern als Vorbild? (USA / Deutschland / Finnland / Italien…)

_ Auf welche Medien wird der Schwerpunkt gelegt – und sind zielgruppen-
spezifische Ansätze zu finden?

_ Gibt es inhaltliche und strukturelle Unterschiede im Kommunikationsdesign zwischen Moskau und St.Petersburg?

PROJEKTPHASEN UND GESTALTUNGSVORHABEN

Neue Herausforderungen verlangen nach neuen Lösungen. In meiner Masterarbeit möchte ich multimedial denken und handeln.

So soll z.B. während der Forschungsphase  dieser Blog zur Visualisierung meiner Arbeit dienen. Er wird beidsprachig geführt, damit Kommentare von beiden Seiten (Russland und Deutschland) ermöglicht werden. Grafiken, Fotos, Filme, Interviews sollen hier zu finden sein.

In der nächsten Phase sollen inhaltliche Auswertungen/Strukturen thematisch zusammengefasst und grafisch dargestellt werden. Dies kann in einem Magazin und/oder online zusammengefasst werden.

Insgesamt möchte ich verschiedene Medien in meiner Masterarbeit ausprobieren und einsetzen. Die Arbeit soll konzeptionell wie visuell zu spannenden Antworten der von mir aufgestellten Fragen dienen.

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